Schloß Ricklingen. Was tun, wenn plötzlich der Strom ausfällt, das Wasser durch die Straßen steht oder das Telefon tot ist – und niemand sofort helfen kann? Dieser Frage stellten sich fast 50 Schloß RicklingerInnen bei einem Infoabend, zu dem der DTV Dorfentwicklungs- und Traditionsverein eingeladen hatte. Mitarbeitende der Stadt Garbsen und der Feuerwehr nahmen die gut gefüllte Runde mit auf eine Reise durch mögliche Krisenszenarien – und machten dabei unmissverständlich klar: Am Ende zählt vor allem, wie gut jede und jeder Einzelne selbst vorgesorgt hat.
Bastian Heitmann, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Bürgerbeteiligung, und Heike Heine, zuständig für den Bevölkerungsschutz in Garbsen: Sie führten durch die Zuständigkeiten von Bund, Land, Region Hannover und Kommune und stellten heraus, welche Rolle die Stadt Garbsen dabei übernimmt – von der Ausstattung der Feuerwehr über die Risikoanalyse bis zur Warnung der Bevölkerung. Deutlich wurde: Bei größeren Lagen sind fast immer mehrere Ebenen gleichzeitig gefordert, und die Stadt hat hier bereits einiges auf den Weg gebracht.
Die städtischen Warnwege stellten Heitmann und Heine im Detail vor: die seit 2024 aktive Sirenenanlage mit 20 Standorten im Stadtgebiet, die Warn-App NINA, Radio Hannover, der städtische WhatsApp-Kanal, Instagram und Facebook sowie die Website garbsen.de. Die Stadt erstellt Risikoanalysen und plant Notfallinformationspunkte und Wärmehallen, um bei Notfällen schnell reagieren zu können.
Kurz und prägnant berichteten anschließend Rouven Schmitt und Tobias Wilhelm, beide stellvertretende Stadtbrandmeister der Feuerwehr Garbsen – Wilhelm zugleich Ortsbrandmeister in Schloß Ricklingen. Über 500 Ehrenamtliche und mehr als 700 Einsätze im Jahr: Die Stadtfeuerwehr ist gut aufgestellt und unterstützt die Stadt beim Aufbau von Notfallinformationspunkten. Doch auch hier die klare Botschaft: Eine sofortige, flächendeckende Versorgung mit Strom, Wasser oder Wärme kann sie im Ernstfall nicht garantieren, und auch privates Eigentum – etwa einen vollgelaufenen Keller – müssen Betroffene zunächst selbst schützen. “Bis Hilfe anläuft, sind wir alle selbst gefragt”, brachte es einer der Referenten auf den Punkt.
Besonders gebannt lauschte das Publikum beim Thema Starkregen. Kathrin Panckow, technische Leiterin der Stadtentwässerung Garbsen, erklärte anhand der Starkregenhinweiskarte, warum auch Schloß Ricklingen gefährdet ist – und warum das öffentliche Kanalnetz bei extremen Regenfällen an seine physikalischen Grenzen stößt: Dann drückt das Wasser bis zur Straßenkante zurück. Ihr Rat an Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer: Rückstausicherungen, ein cleveres Gefälle im Garten, erhöhte Lichtschachtränder und im Zweifel Sandsäcke oder ein Flutschott können viel abfedern. Besonders gut kam ihr persönliches Angebot an: Wer unsicher ist, kann sich an die Stadtentwässerung wenden – Frau Panckow schaut sich die Situation dann direkt vor Ort an.
Zum Abschluss stellte die Vereinsvorsitzende Regina Thiele die persönliche Notfallvorsorge vor, angelehnt an die BBK-Broschüre “Vorsorgen für Krisen und Katastrophen”. Das Ziel: zehn Tage Selbstversorgung, wobei schon ein Drei-Tage-Vorrat viel bringt – mit Trinkwasser, haltbaren Lebensmitteln, batteriebetriebenem Radio, geladener Powerbank und griffbereiter Kontaktliste. Die Broschüre gibt es kostenlos bei der Stadt Garbsen – und beim nächsten DTV-Treff am dritten Dienstag im Oktober.
In der anschließenden Fragerunde nutzten viele Gäste die Gelegenheit, sich konkrete Ratschläge zu holen.
“Der Abend hat gezeigt, was die Stadt und die Feuerwehr schon in Arbeit haben – von der neuen Sirenenanlage bis zu Warn-Apps und Krisenplanung”, resümierte Regina Thiele. “Er hat aber genauso deutlich gemacht, was Stadt und Feuerwehr im Ernstfall nicht leisten können. Genau dort müssen wir als Nachbarschaft und als Einzelne selbst vorsorgen.” Der DTV Dorfentwicklungs- und Traditionsverein will das Thema Notfallvorsorge in Schloß Ricklingen weiter im Blick behalten.
