Aktuelles Leserbrief

Drittligafußball, ISEK und die Frage nach der strategischen Rolle Garbsens

Leserbrief von Björn Giesler Foto: HWBl

Leserbrief von Björn Giesler

Die Diskussion um den Zuschuss für den neuen Rasen im Eilenriedestadion wird derzeit sehr emotional geführt. Man kann darüber streiten, ob 200.000 Euro kommunaler Mittel für einen auswärtigen Spielort gut investiert sind. Diese Debatte greift aus meiner Sicht jedoch zu kurz.

Der Rat der Stadt Garbsen hat in der vergangenen Woche die Aktualisierung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) beschlossen. Dieses Konzept versteht sich ausdrücklich als strategischer Rahmen für die langfristige Entwicklung unserer Stadt. Wenn das ernst gemeint ist, dann gehört auch eine offene Diskussion über die sportliche Infrastruktur dazu.

Der TSV Havelse ist kein beliebiger Verein. Er ist ein anerkannter Ausbildungsstandort, er bindet Kinder und Jugendliche, er wirkt in die Region und er trägt den Namen Garbsens in den bundesweiten Spielbetrieb. Dass eine solche Mannschaft ihre Heimspiele in der 3. Liga nicht in Garbsen austragen kann, ist nicht nur ein sportliches, sondern auch ein stadtentwicklungspolitisches Thema.

Es geht dabei ausdrücklich nicht um die Forderung nach einem „Prestigeprojekt“ oder um eine einseitige Subventionierung des Profifußballs. Es geht um eine strategische Grundsatzfrage:

Welchen Beitrag kann und will die Stadt Garbsen – neben Verein, Investoren und Sponsoren – leisten, um eine drittligataugliche Infrastruktur perspektivisch zu ermöglichen?

Das ISEK formuliert Ziele wie Identitätsstiftung, Standortprofilierung, Jugendförderung und Lebensqualität. Ein leistungsfähiger Sportstandort kann hierzu einen Beitrag leisten – so wie Kultur, Bildung oder Wissenschaft. Gleichzeitig ist klar, dass öffentliche Mittel begrenzt sind und Prioritäten gesetzt werden müssen.

Gerade deshalb wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für eine nüchterne, faktenbasierte Debatte:

Welche infrastrukturellen Mindestanforderungen wären überhaupt notwendig?

Welche Kosten und welche Folgekosten entstehen?

Welche Nutzung hätte eine solche Anlage für Schulen, Breitensport und Stadtgesellschaft?

Welche privaten Finanzierungsanteile wären realistisch?

Der aktuelle Zuschuss für den Rasen ist letztlich nur ein Symptom eines strukturellen Problems: sportlicher Erfolg ohne eigene Spielstätte. Statt jedes Jahr über Einzelfallentscheidungen zu streiten, sollte die Stadt die Grundsatzfrage stellen, ob und wie sie dieses Spannungsfeld langfristig lösen möchte.

Das ISEK bietet dafür den richtigen Rahmen. Man muss ihn nur nutzen.