Netzwerk Erweiterter Wirtschaftsraum Hannover legt neue Datenbasis vor
Erweiterter Wirtschaftsraum Hannover/Region Hannover, 28.07.2026. Der Einzelhandel im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover bleibt leistungsfähig, verändert sich aber deutlich: Das zeigt das „Konsensprojekt Großflächiger Einzelhandel 2025/2026“. Im Untersuchungsraum wurden 2025 insgesamt 9.488 Einzelhandelsbetriebe mit rund 3,74 Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche erfasst. Gegenüber der Vorerhebung aus dem Jahr 2016 ist die Zahl der Betriebe um rund 20 Prozent zurückgegangen, die Verkaufsfläche um rund 7 Prozent.
Das vollständige Gutachten ist unter www.netzwerk-ewh.de abrufbar.
Was wurde untersucht?
Das Konsensprojekt Großflächiger Einzelhandel mit einer flächendeckenden Erhebung und Analyse des stationären Einzelhandels wurde seit 2003 zum fünften Mal durchgeführt. Ziel ist eine einheitliche und vergleichbare Datengrundlage zur Entwicklung des stationären Einzelhandels im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover. Die aktuelle Untersuchung wurde von der CIMA Beratung + Management GmbH aus Hannover erarbeitet.
Erfasst wurden stationäre Einzelhandelsbetriebe im Untersuchungsraum – vom Kiosk bis zum Möbelhaus. Betrachtet wurden unter anderem Zahl der Betriebe, Verkaufsflächen, Sortimente und Standortlagen. Der Untersuchungsraum umfasst die Region Hannover einschließlich der Landeshauptstadt, die Landkreise Celle, Hameln-Pyrmont, Hildesheim, Holzminden, Nienburg/Weser ohne die Stadt Nienburg/Weser, Schaumburg sowie die Städte Peine und Walsrode.
Was sind die wichtigsten Gesamtergebnisse?
Die Untersuchung bestätigt einen fortschreitenden Strukturwandel im stationären Einzelhandel. Im gesamten Untersuchungsraum ist die Zahl der Betriebe seit 2016 deutlich zurückgegangen. Auch die Gesamtverkaufsfläche ist rückläufig, allerdings weniger stark als die Betriebszahl. Das deutet laut Gutachten darauf hin, dass vor allem kleinere Betriebe aus dem Markt ausscheiden, während größere Standorte ihre Marktposition eher behaupten können.
Gleichzeitig bleibt die Versorgung in wichtigen Bereichen stabil: Beim periodischen Bedarf, also bei alltäglichen Produkten wie Lebensmitteln oder Drogeriewaren, liegt die Verkaufsfläche im Untersuchungsraum leicht über dem Vergleichswert von 2016.
Deutlich zurückgegangen sind Verkaufsflächen im aperiodischen Bedarf, also bei Waren, die nicht täglich gekauft werden – etwa Bekleidung, Schuhe, Bücher, Elektroartikel, Sportartikel oder Möbel. Viele dieser Sortimente haben traditionell eine wichtige Bedeutung für Innenstädte und Ortskerne und sind zugleich besonders stark von Online-Handel, veränderten Konsumgewohnheiten und Konzentrationsprozessen betroffen.
Der Wandel hat mehrere Ursachen: Viele Kund*innen kaufen anders ein als noch vor einigen Jahren, vergleichen Angebote online und erwarten zugleich gut erreichbare, moderne und leistungsfähige Standorte. Gleichzeitig gewinnen größere Betriebsformen und Filialisten an Marktanteilen, während kleinere und nicht-filialisierte Fachgeschäfte stärker unter Druck geraten. Hinzu kommen demografische Veränderungen und gestiegene Erwartungen an Service, Verfügbarkeit und Aufenthaltsqualität.
Das Gutachten bewertet die Entwicklung nicht als flächendeckenden Substanzverlust. Vielmehr bestätigt die Untersuchung ein weiterhin leistungsfähiges, allerdings durch strukturelle Veränderungen geprägtes Einzelhandelsangebot im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover. Die Nahversorgung erweist sich insgesamt als stabil. Zugleich ist vor allem der aperiodische Bereich vom Wandel betroffen und erfordert daher eine aktive Gestaltung des Transformationsprozesses.
Für die Städte und Gemeinden im Untersuchungsraum heißt das: Innenstädte und Ortskerne bleiben wichtige Handelsstandorte, müssen ihre Attraktivität aber breiter absichern. Neben dem Einzelhandel gewinnen Gastronomie, Dienstleistungen, Kultur, Wohnen, Arbeiten, Bildung, Verwaltung und Freizeit weiter an Bedeutung.
Was zeigen die Zahlen für die Region Hannover?
Auch in der Region Hannover ist der Strukturwandel sichtbar: Im Regionsgebiet wurden 2025 insgesamt 4.821 Einzelhandelsbetriebe mit rund 1,93 Millionen Quadratmetern Verkaufsfläche erfasst. Gegenüber 2016 entspricht das einem Rückgang der Betriebszahl um rund 20 Prozent und einem Rückgang der Verkaufsfläche um rund 8 Prozent.
Zugleich bleibt die Versorgungsfunktion der Region Hannover stark. Die Region kommt auf ein einzelhandelsrelevantes Nachfragevolumen von rund 7,60 Milliarden Euro, dem ein rechnerischer Einzelhandelsumsatz von rund 8,07 Milliarden Euro gegenübersteht. Daraus ergibt sich eine Handelszentralität von 106 Prozent. Der Einzelhandel in der Region Hannover erzielt damit rechnerisch mehr Umsatz, als allein aus der Nachfrage der eigenen Bevölkerung zu erwarten wäre. Dabei prägt insbesondere das Angebot der Landeshauptstadt Hannover mit einer Handelszentralität von 119 Prozent die Einzelhandelsausstattung der Region. Als Oberzentrum verfügt Hannover über einen überregionalen Einzugsbereich und bindet Kaufkraft über das eigene Stadtgebiet hinaus.
Die Verkaufsflächenausstattung im periodischen Bedarf liegt weiterhin bei rund 0,55 Quadratmetern je Einwohner*in. Bei Lebensmitteln und Reformwaren ist die Verkaufsfläche gegenüber 2016 leicht gestiegen. Im aperiodischen Bedarf sind die Verkaufsflächen dagegen zurückgegangen. Gleichzeitig liegt die Handelszentralität in diesem Bereich weiterhin über 100 Prozent und zeigt damit ebenfalls eine überörtliche Versorgungsfunktion.
Wofür werden die Ergebnisse genutzt?
Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die gesamte Einzelhandelsplanung, insbesondere für die raumordnerische Steuerung großflächiger Einzelhandelsvorhaben und für kommunale Einzelhandelskonzepte sowie als Grundlage für die Wirtschaftsförderung. Die großräumige Einzelhandelsanalyse ist somit eine wichtige Arbeitsgrundlage für die weitere Entwicklung des Einzelhandels im Erweiterten Wirtschaftsraum Hannover. Die Daten helfen dabei, großflächige Einzelhandelsvorhaben einzuordnen, Auswirkungen auf Nachbarkommunen zu bewerten und Entwicklungen frühzeitig abzustimmen. Sie unterstützen damit die regionale Abstimmung sowie die Weiterentwicklung von Innenstädten, Ortskernen und Nahversorgungsstandorten.
Gerade im Einzelhandel enden Einzugsbereiche und Kaufkraftströme nicht an Stadt- oder Kreisgrenzen. Neue Standorte, Erweiterungen oder Verlagerungen können Auswirkungen auf Innenstädte, Ortskerne und Nahversorgungsstrukturen in mehreren Kommunen haben. Die gemeinsame Datenbasis erleichtert es, diese Auswirkungen transparent zu diskutieren und tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Hintergrund: Der Erweiterte Wirtschaftsraum Hannover
Zum Netzwerk Erweiterter Wirtschaftsraum Hannover gehören die Städte Celle, Hameln, Hannover, Hildesheim, Nienburg/Weser, Peine, Stadthagen und Walsrode, die Landkreise Celle, Hameln-Pyrmont, Heidekreis, Hildesheim, Nienburg/Weser, Peine und Schaumburg sowie die Region Hannover. Ziel ist es, die regionale Zusammenarbeit in wichtigen fachlichen und kreisüberschreitenden Kooperationsfeldern zu stärken. Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind unter anderem Stadt- und Regionalentwicklung, Einzelhandel, Innenstädte und Ortskerne, Planungsprozesse sowie der öffentliche Personennahverkehr.
