Aktuelles Kommunales Kultur

Horst hat eine bewegte Geschichte entlang der Andreaestraße

Historischer Stadtteilrundgang beleuchtet Entwicklung des Wohn- und Geschäftslebens

GARBSEN (stp). Wie sich Horst vom dörflich geprägten Ort zu einem Stadtteil mit vielfältigem Wohn- und Geschäftsleben entwickelt hat, hat jetzt beim Historischen Stadtteilrundgang entlang der Andreaestraße im Mittelpunkt gestanden. An ausgewählten Stationen gab Stadtarchivar Sören Lindner Einblicke in die Geschichte des Stadtteils und zeigte, welche Bedeutung Geschäfte, Handwerksbetriebe, Banken und andere Einrichtungen für die Entwicklung von Horst hatten.

Ein Schwerpunkt des Rundgangs lag auf der Entwicklung des Wohn- und Geschäftslebens, das insbesondere in den Sechziger- und Siebzigerjahren deutlich an Bedeutung gewann. Entlang der Andreaestraße entstanden zahlreiche Angebote für die Nahversorgung. Dazu gehörten unter anderem SB-Läden, Arztpraxen, Bäckereien und Fleischereien. Auch besondere Produkte wurden in Horst hergestellt: So gab es beispielsweise eine Produktion von Schokoladenkonfekt.

An mehreren Stationen wurde diese Entwicklung konkret sichtbar. Beim „Horster Lädchen“ an der Andreaestraße 19a, der Wohn- und Ladenzeile mit Imbiss und Friseur an den Hausnummern 30 und 32 sowie der ehemaligen Filiale der Kreissparkasse an der Andreaestraße 38/38a wurde deutlich, wie eng Wohnen, Arbeiten und Versorgung miteinander verbunden waren. Auch die Wohn- und Geschäftszeile an der Andreaestraße 52 bis 56 sowie die frühere Volksbank-Filiale an der Hausnummer 25, in der heute die VGH untergebracht ist, waren Stationen des Rundgangs.

Besonders anschaulich ließ sich die Entwicklung am Beispiel der Post nachvollziehen. Posthalter Heinrich Hasemann begann zunächst in einem Zimmer seiner Wohnung in der Triftstraße 4 mit der Verteilung der Post. Aus diesem bescheidenen Anfang entwickelte sich eine eigene Postdienststelle, die im Laufe der Jahre mehrfach ihren Standort wechselte. Heute befindet sie sich in der Ladenzeile an der Andreaestraße 56 und wird von Familie Cagli geführt. Eine besondere Erinnerung verbindet sich mit den Postausträgerinnen der Sechzigerjahre: Wenn sie im Winter ihre Runde durch Horst drehten, wurden sie von den Horstern gern zu einer Tasse Kaffee oder einem Glühwein eingeladen.

Auch die Geschichte einzelner Familien stand im Mittelpunkt des Rundgangs. Am Beispiel der Familie Wehde wurde gezeigt, wie einzelne Familien den Stadtteil über Generationen mitprägten. Das Zwillingspaar Carl und Friedrich Wehde gründete 1874 zwei unmittelbar nebeneinanderliegende Hofstellen an der Andreaestraße 33 und 35. Beide waren als Tischler tätig. Aus der Familie gingen weitere prägende Persönlichkeiten hervor, darunter Maurermeister und Bürgermeister Friedrich „Fritz“ Wehde, der ein Baugeschäft gründete.

Auch an das Schicksal seines Sohnes „Fritzchen“ wurde erinnert. Der 1939 geborene Junge kam 1945 im Alter von fünf Jahren in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Lüneburg zu Tode, nachdem er von der SS aus seinem Zuhause abgeholt worden war. 2025 wurde ihm ein Stolperstein gewidmet. Damit wird ein dunkles Kapitel der Familien- und Stadtteilgeschichte dauerhaft sichtbar gemacht.

Auf vielfachen Wunsch setzt die Stadt Garbsen die Historischen Stadtteilrundgänge fort. Die Reihe war 2024 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Gebietsreform gestartet. Nachdem zunächst alle 13 Garbsener Stadtteile anhand von jeweils sechs bis acht Stationen historisch beleuchtet worden waren, stehen bei den aktuellen Rundgängen vertiefende Schwerpunktthemen der einzelnen Stadtteile im Mittelpunkt.