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Mehr Schutz durch mehr Vertrauen: Region berät immer mehr Sexarbeitende

Neue Kooperation mit Landkreis Hameln-Pyrmont soll Dunkelfeld verkleinern

Hannover, 29.04.2026. Die Region Hannover erreicht mit ihrem Beratungsangebot für Sexarbeitende immer mehr Menschen. Seit Einführung des Prostituiertenschutzgesetzes im Jahr 2017 ist die Zahl der gesundheitlichen Beratungen kontinuierlich gestiegen – von 171 im ersten Jahr auf zuletzt 754 Beratungen im Jahr 2025. Für die Region ist das ein wichtiges Signal: Das Angebot kommt an und schafft Vertrauen.

Wie sehen die Beratungen nach dem Prostituiertenschutzgesetz aus?

„Die steigenden Zahlen zeigen, dass wir die Menschen besser erreichen – und genau darum geht es beim Prostituiertenschutzgesetz“, sagt Gesundheitsdezernentin Christine Karasch. „Unsere Beratung ist niedrigschwellig, vertraulich und vor allem eines: unterstützend. Sie bietet Raum, über gesundheitliche Fragen zu sprechen, aber auch über schwierige Lebenssituationen.“

Die gesundheitliche Beratung ist für Sexarbeitende gesetzlich vorgeschrieben und Voraussetzung für die Ausübung ihrer Tätigkeit. Ein multiprofessionelles Team – angesiedelt im Gesundheitsamt der Region Hannover – berät zu Themen wie Infektionsschutz, Verhütung, Rechte und Pflichten und vermittelt bei Bedarf an weiterführende Hilfsangebote. Ein zentraler Bestandteil ist auch die aufsuchende Arbeit: Mitarbeitende gehen aktiv auf Menschen im Milieu zu und informieren über Unterstützungsangebote. Alle Beratungen vereint der realistische und vorurteilsfreie Blick auf die Lebenssituation von Sexarbeitenden. Dabei zeigt sich: Die Lebensrealitäten von Sexarbeitenden sind oft komplex. Die Beratung kann ein erster geschützter Kontakt sein – auch, um über mögliche Zwangslagen, Ausbeutung oder persönliche Belastungen zu sprechen. Eine bundesweite Evaluation des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen bestätigt die Qualität dieses Ansatzes: Die Beratungen werden von den Befragten mehrheitlich positiv bewertet, insbesondere im Hinblick auf Respekt, Kompetenz und Aufklärung.

Warum gibt es jetzt die Kooperation mit dem Landkreis Hameln?

Gleichzeitig gibt es weiterhin ein Dunkelfeld. Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen, dass viele Sexarbeitende von den Angeboten bislang nicht erreicht werden. So wurden im Landkreis Hameln-Pyrmont zuletzt kaum Beratungen in Anspruch genommen – obwohl bekannt ist, dass dort Prostitution stattfindet. Vor diesem Hintergrund baut die Region Hannover ihre Zusammenarbeit aus: Künftig übernimmt sie die Beratung für den Landkreis Hameln-Pyrmont. Ziel ist es, die bestehenden Strukturen und die gewachsene Expertise zu nutzen, um mehr Menschen zu erreichen. „Wenn Beratung nicht ankommt, steigt das Risiko von gesundheitlichen Problemen und das Abrutschen in die Illegalität“, betont Karasch. Ein weiterer Vorteil der neuen Vereinbarung: Für viele Betroffene ist es leichter, ein Angebot außerhalb ihres direkten Lebens- und Arbeitsumfelds wahrzunehmen. Die Beratung im Gesundheitsamt der Region mit dem zentralen Standort in Hannover ist gut erreichbar und auf Wunsch anonym.

Wie ist die Beratungsstelle für Sexarbeiter*innen zu erreichen?

Die Beratungs- und Untersuchungsangebote für Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind, haben ihren Sitz in der Weinstraße 2-3 in Hannover. E-Mail: gesundheitl.Beratung@region-hannover.de, Telefon (0511) 616-25252.
Telefonische Terminvergabe: Mo 9-11 Uhr, 13-15 Uhr; Do 10-12 Uhr, 13-17 Uhr; Fr 9-12 Uhr. Die Mitarbeiter*innen des Teams verfügen über Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch. Zusätzlich unterstützen Übersetzerinnen für die Sprachen Bulgarisch, Rumänisch, Spanisch und Russisch. Außerdem berät und informiert das Team Menschen in der Sexarbeit, die auf dem Straßenstrich, in den Bordellen, Clubs, Wohnungen und Lovemobilen arbeiten, vor Ort.